Dynamische Hybride

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Beitrag verfasst von Christian Eck

Inhalt

Eine kurze Einführung zu Dynamischen Hybriden

Faktoren für die Ertragsstärke von Garantiefonds

Wie nachhaltig können Dynamische Hybride sein?

Eine kurze Einführung zu Dynamischen Hybriden*

In der deutschen Versicherungsbranche zeichnet sich ein immer stärkerer Trend hin zu innovativen Produkten mit neuartigen Garantien ab. Dies liegt daran, dass einerseits klassische Lebens- und Rentenversicherungen in Zeiten von Solvency II sehr kapitalintensiv sind, andererseits von der Mehrheit der Kunden weiterhin Garantien nachgefragt werden, die von rein fondsgebundenen Versicherungen nicht dargestellt werden können. Daher haben eine Reihe von Mischformen mit Garantien den Markt erobert. Seit dem Geschäftsjahr 2017 werden diese in der GDV Statistik separat ausgewiesen. Per Ende 2019 haben diese mit insgesamt 318 Mrd. Euro Versicherungssumme im Bereich der Rentenversicherungen ein beträchtliches Volumen erreicht, während rein fondsgebundene Verträge im Vergleich auf 110 Mrd. Euro kommen.

Ein wichtiger Bestandteil dieser Entwicklung sind dynamische Hybridprodukte, die etwa seit 2007 eingesetzt werden. Sie galten zu dieser Zeit als Königsweg, um hohe Ertragschancen mit Garantien zu verbinden. Dies wird durch einen ausgeklügelten Umschichtungsmechanismus zwischen verschiedenen Schichten oder „Töpfen“ erreicht. Dabei dient das klassische Sicherungsvermögen als unterste Schicht, die für die Darstellung einer endfälligen Kapitalgarantie zur Verfügung steht. Als mittlere Schicht wird ein Garantiefonds eingesetzt, der mit einer harten Garantie ausgestattet ist, die sicherstellt, dass innerhalb eines Monats der Wert des Garantiefonds um nicht mehr als beispielsweise 20% abnehmen kann. Als dritte Schicht können beliebige „freie“ Fonds gewählt werden.

In der Grundform besteht bei einem Einmalbeitragsprodukt ein Puffer in der Höhe des Unterschieds zwischen dem aktuellen Vermögen und dem Barwert der Garantie. Für die Allokation sind zwei Fälle zu unterscheiden: Falls der Puffer geringer ist als der maximal mögliche Verlust innerhalb eines Monats wäre, wenn die Investition vollständig in den Garantiefonds erfolgen würde, wird das Vermögen so zwischen klassischem Sicherungsvermögen und Garantiefonds aufgeteilt, dass der Puffer gerade ausreicht, um den maximalen Verlust im Garantiefonds zu absorbieren. Es wird also umso mehr im klassischen Sicherungsvermögen investiert, je weniger Puffer vorhanden ist. Falls der Puffer größer ist, wird die Investition zwischen Garantiefonds und dritter Schicht aufgeteilt, wobei gerade so viel in den Garantiefonds investiert wird, dass der maximal mögliche Verlust im Fonds gerade dem Puffer entspricht. In einem ungünstigen Szenario kann es passieren, dass durch Verluste im Fonds der Puffer vollständig aufgezehrt wird. In diesem Fall muss eine vollständige Umschichtung ins klassische Sicherungsvermögen erfolgen, damit dieses noch die Garantie erzielt. Dieses als „Cash-Lock“ bezeichnete Szenario kann durch laufende Beiträge sowie ggf. durch eine Überschussbeteiligung aus dem klassischen Sicherungsvermögen abgefedert werden.

Für das Funktionieren eines derart ausgestalteten dynamischen Hybridprodukts bestehen somit zwei Voraussetzungen.

Erstens muss der Garantiefonds so gestaltet werden, dass ein extremer Verlust (bei dem weniger als das garantierte Vermögen übrig bliebe) vollständig ausgeschlossen ist. Dies wird häufig durch einen inhärenten CPPI-Mechanismus in Verbindung mit einer Gap-Option zur Absicherung möglicher Tail-Risiken erreicht. Darüber hinaus sollte idealerweise eine attraktive Performance bei geringen Drawdowns erzielt werden, um das Risiko eines Cash Lock so weit wie möglich zu reduzieren. Die Auswirkungen eines Cash Lock machen sich bei Garantiefonds lediglich während eines Monats bemerkbar, da die Allokation am Anfang des Folgemonats wieder auf den Zielwert gesetzt wird.

Zweitens muss im klassischen Sicherungsvermögen jederzeit eine Verzinsung in Höhe des bei Vertragsabschluss gültigen Rechnungszinses erzielt werden, welcher über die gesamte Vertragslaufzeit garantiert -und als risikolos erzielbar angenommen – wurde. Zwischen 2007 und 2011 lag der aufsichtsrechtliche Höchstrechnungszins bei 2,25% – ein Wert, der sich im heutigen Niedrigzinsumfeld jedenfalls in der Neuanlage nicht mehr ohne das Eingehen zusätzlicher Risiken erzielen lässt. Dies gilt zwar auch für klassische Rentenversicherungsverträge aus jener Zeit. Bei Letzteren waren allerdings die Mittelzuflüsse langfristig planbar, und die Unternehmen hatten die Möglichkeit, dem Zinsverfall durch geeignete Zinsabsicherungsmaßnahmen entgegenzuwirken. Hingegen ist bei dynamischen Hybridprodukten die Inanspruchnahme des klassischen Sicherungsvermögens allein durch den nicht vorhersehbaren Rückgang des Garantiefonds – etwa durch einen Kursverfall am Aktienmarkt- bedingt, und somit prinzipiell nicht kalkulierbar. Aufgrund des dramatischen Zinsrückgangs seit der Auflegung dieser Produkte stellt insbesondere eine Umschichtung ins Sicherungsvermögen ein nicht zu unterschätzendes ökonomisches Risiko dar. Aus diesem Grund ist die Konzeption einer Absicherungsstrategie für dieses Risiko eine erheblich größere Herausforderung, als bei klassischen Verträgen. Hinzu kommt, dass der Anteil im klassischen Sicherungsvermögen Schwankungen unterworfen ist. Bei einer stark positiven Rendite des verbliebenen Anteils im Garantiefonds erfolgt nämlich eine Umschichtung aus dem klassischen Sicherungsvermögen heraus in den Garantiefonds hinein. Eine langfristige Anlage der im klassischen Sicherungsvermögen geparkten Mittel aus Ertragsgesichtspunkten kann daher problematisch sein, da ein zwischenzeitlicher Zinsanstieg zu Verlusten bei deren Liquidierung führen würde. Anders ausgedrückt dient das klassische Sicherungsvermögen als jederzeit verfügbares Festgeld mit monatlicher Abrufbarkeit und einer garantierten Verzinsung in Höhe des vertraglichen Rechnungszinses.

Angesichts der hohen Komplexität dynamischer Hybridprodukte und der damit verbundenen Risiken hat die BaFin im November 2018 eine Auslegungsentscheidung veröffentlicht. Darin befasst sie sich mit der Beurteilung der Angemessenheit von Methoden zur Bewertung versicherungstechnischer Rückstellungen unter Solvency II. Dazu sind in einem ersten Schritt alle relevanten Risiken zu ermitteln. Im zweiten Schritt muss bewertet werden, inwieweit die Annahmen, die der verwendeten Methode zugrunde liegen, die im ersten Schritt identifizierten Risiken erfasst, und welche Fehler durch  nicht modellierte Risiken entstehen. Weiter heißt es in der Auslegungsentscheidung: „Wird bei dynamischen Hybridprodukten beispielsweise vereinfachend eine statische Aufteilung auf die verschiedenen Komponenten (z.B. bei einem 3-Topf-Hybrid auf die drei Töpfe) des Vertrags angenommen, so ist eine Analyse notwendig, welche Auswirkungen es hat, dass der Umschichtungsalgorithmus bei der Kalkulation der technischen Rückstellungen nicht modelliert wird.“

Die korrekte Modellierung dynamischer Hybride ist komplex und erfordert eine stochastische Berechnung. Bereits ein stark vereinfachtes Zahlenbeispiel kann jedoch mögliche Auswirkungen im Sinne dieser Auslegungsentscheidung greifbar machen. Bei einem Rechnungszins von 2.25% hat eine Auszahlung von 100% in zehn Jahren einen Barwert von 80%. Zieht man die aktuelle risikofreie Zinskurve der EIOPA (0,078% per 30.6.2019) heran, ergibt sich hingegen ein Barwert von 99%. Durch eine Umschichtung ins Sicherungsvermögen erleidet das Unternehmen somit einen sofortigen ökonomischen Verlust von 19% des Endwerts. Dies hat unter Solvency II bereits eine Auswirkung auf das Eigenkapital, wenn diese Umschichtung auch nur droht. Ergibt beispielsweise eine stochastische Analyse, dass eine Wahrscheinlichkeit von 10% für eine Umschichtung ins klassische Sicherungsvermögen besteht, dann unterschätzt das Modell die versicherungstechnische Rückstellung um 1,9% des Endwerts. Man kann daraus den Schluss ziehen, dass im Niedrigzinsumfeld der Barwert der – vollständig modellierten – versicherungstechnischen Rückstellung unter Solvency II umso höher ist, je wahrscheinlicher eine Umschichtung ins klassische Sicherungsvermögen erfolgt. Eine geringere Volatilität des Garantiefonds bei gleicher erwarteter Rendite hat also unmittelbar eine Verbesserung der aufsichtsrechtlichen Solvenzquote zur Folge.

Faktoren für die Ertragsstärke von Garantiefonds*

Aus den o.g. Überlegungen folgt, dass die vom Garantiefonds erzielte Performance eine entscheidende Rolle spielt. Dabei sollte sowohl längerfristig eine attraktive Rendite erzielt, als auch die Schwankungsbreite möglichst effektiv kontrolliert werden. Eine Performance-Analyse von 24 der am deutschen Markt eingesetzten Wertsicherungsfonds ergibt folgendes Ergebnis (per Juli 2019): Seit Auflage erzielten nur 4 Fonds eine Rendite von über 3% p.a., 8 Fonds eine Rendite bis lediglich 1% p.a. und 4 Fonds eine negative Rendite. Ein Extremfall weist eine Rendite von minus 3,2% p.a. seit Auflage auf. Zum Vergleich: in diesem Zeitraum entwickelte sich der europäische Aktienindex Stoxx600 mit einer Performance von plus 4,3% p.a..

Die Ertragsstärke von Garantiefonds wird maßgeblich drei Faktoren beeinflußt:

  1. Gestaltung des Werttreibers
  2. Konstruktion der Wertsicherung
  3. Kosten

1. Gestaltung des Werttreibers
Als Risiko-Assets werden verschiedenste Ausgestaltungen verwendet. Dies können Aktien, Fonds oder auch Futures sein, wobei die Portfolien entweder aktiv verwaltet werden oder regelbasiert aufgesetzt sind. Es fällt auf, dass Dachfonds Konstruktionen mit Einsatz von aktiv verwalteten Fonds oder ETF stark verbreitet sind. Diese Ausgestaltung sollte kritisch betrachtet werden, da Gebühren auf zwei Ebenen anfallen. Abgesehen von sehr speziellen Anlagethemen die nicht preiswerter repliziert werden können ist der Einsatz von aktiv verwalteten Zielfonds nur dann für das dynamische Hybridprodukt ökonomisch sinnvoll, wenn der Versicherer davon ausgeht, dass diese Fonds langfristig ihre jeweilige Benchmark schlagen werden. Benchmarknahe ETF Portfolien stellen bei Garantiefonds ebenfalls ein zusätzliches und entbehrliches Kostenelement dar. Zudem beschränken sie die Flexibilität des Werttreibers. Der Einsatz von ETF ist meist Vertriebs- und Marketinganforderungen geschuldet, da ETF standardmäßig bei rein fondsgebundenen Produkten ohne Garantien genutzt werden.

Weitaus kostengünstiger und flexibler hingegen gestalten sich Werttreiber, die  direkt an eine Benchmark wie Aktien, Rohstoffe oder Rentenindizes angebunden sind. Die effizienteste Möglichkeit liegt dabei im Einsatz von Futures. Neben hoher Liquidität bieten diese den Vorteil, dass die Performance des Fonds nicht mehr nur – wie bei klassischen Ausgestaltungen – von steigenden Aktienmärkten steigenden Anleihekursen abhängig ist. Einige Marktteilnehmer gehen von einem möglichen Ende der seit 2009 fast durchgängig anhaltenden Aktienhausse aus und haben die Erwartung auf langfristig wieder ansteigende Zinsen. Die Möglichkeit für das Eingehen von Long-Positionen aber auch Short-Positionen kann – bei Einsatz einer passenden Anlagestrategie – zu einem verbesserten Risiko-Return Profil des Werttreibers führen.

2. Konstruktion der Wertsicherung
Die Mehrzahl der Garantiefonds wird über CPPI abgesichert. Diese Art der Absicherung basiert auf einer prozyklischen Steuerung der Investitionsquote des risikobehafteten Assets. Die Parameter sind dabei der Bond Floor, der Cushion (Puffer) und der Multiplier. So weist ein Fonds mit 80% monatlicher Garantie beispielsweise einen Multiplier von 5 auf, um eine anfängliche Allokation am Werttreiber von 100% zu ermöglichen. Die Allokation wird täglich gesteuert. Maßgeblich ist dabei, wie groß jeweils der Unterschiedsbetrag zwischen dem Kurs des Werttreibers und dem Bond Floor ist.

Die große Herausforderung bei CPPI Modellen liegt in ihrer Pfadabhängigkeit. Diese bezeichnet das Problem, dass das erzielbare Endvermögen und damit auch die Partizipationsrate nicht vom Kurs des Werttreibers am Ende der Absicherungsperiode abhängt, sondern vom vorherigen Kursverlauf des Werttreibers davor determiniert wird. Volatil oszillierende Seitwärtsmärkte etwa führen zu verringerter Allokation am Werttreiber, was unnötige Transaktionskosten verursacht und zu einer Underperformance des CPPI in einer darauffolgenden Markterholung führt. Dies lässt sich an einem einfachen Zahlenbeispiel verdeutlichen. Ein Garantiefonds weist pro Monat eine 80% Garantie mit Multiplier 5 auf, womit die anfängliche Allokation am Werttreiber 100% beträgt. Der Werttreiber schwankt an fünf aufeinanderfolgenden Handelstagen zwischen 100 und 95; an Tag 6 beträgt sein Wert wieder 100. Die Allokation im CPPI ist bis zu Tag 6 auf 86% abgesunken, der Fondswert um rund 3% gefallen. Noch gravierender wird diese Entwicklung bei hohen Multipliern, etwa bei einem Garantiefonds mit 90% Garantie und einem Multiplier von 10. An Tag 6 liegt die Allokation im obigen Beispiel bei nur noch 47%, der Fondswert ist um etwa 5,5% gesunken.
Das mit Abstand herausforderndste Szenario für CPPI-Modelle stellen jedoch starke Marktkorrekturen mit anschließender kräftiger Markterholung dar. In derartigen Marktphasen wird das CPPI gegenüber der Performance des Risiko-Assets weitaus geringer ausfallen. Die dem CPPI inhärente Pfadabhängigkeit innerhalb des Garantiefonds wird durch die monatlichen Umschichtung zwischen Garantiefonds und Sicherungsvermögen weiter verschärft, da bei einem deutlichen Kursrückgang zusätzlich eine Umschichtung aus dem Garantiefonds ins klassische Sicherungsvermögen erfolgt.

3. Kosten
Die Gesamtkostenbelastung von Garantiefonds ist nicht nur aufgrund der verstärkten Kostentransparenz und regulatorischen Kostenausweise in den Fokus gerückt. Sie hat sich auch als starker Einflußfaktor auf die Performance der Fonds herausgestellt. Da einige Garantiefonds nur gering positive Kursentwicklung seit Auflage aufweisen, zählt „jeder Basispunkt an Rendite“. Die laufenden Kosten gemäß Basisinformationsblatt liegen bei den untersuchten Wertsicherungsfonds zwischen 1,2% p.a. bis 2,6% p.a. Hinzu kommen weitere Kostenbestandteile wie Transaktionskosten für die Umschichtung im Wertsicherungsmechanismus, Kosten für Gap Puts und eventuell zusätzliche Kosten für Garantien.

Die meisten Wertsicherungsfonds enthalten nicht nur „Wertsicherungsversprechen“, sondern sind mit „harten“ Garantien ausgestattet. Das Stellen einer harten Garantie setzt in CPPI-basierten Fonds den Einsatz von Gap Puts voraus. Gap Puts dienen der Absicherung von Extremszenarien, etwa dem Risiko, dass der Kurs des Werttreibers von einem Tag zum nächsten um mehr als 20% fällt. In einem solchen Szenario könnte die Garantie nicht mehr erreicht werden, da nicht schnell genug vom Werttreiber hin zum risikolosen Asset umgeschichtet werden kann. Gap Puts werden auf Basis von OTC Verträgen abgeschlossen, weisen in der Regel eine Laufzeit von einem Jahr auf und werden entsprechend regelmäßig gerollt. Die Optionsprämien hängen stark von der Höhe des Multipliers ab und werden während der Laufzeit der Garantiefonds schwanken. Insbesondere für „komplexere“ Werttreiber wie Portfolien mit aktiv verwalteten Zielfonds besteht kein liquider Markt für derartige Absicherungen. Die Preisfindung ist nicht transparent und der Käufer von Gap Puts zahlt eine Optionsprämie, die gegenüber dem tatsächlichen Risiko systematisch zu hoch ist. Wird der Gap Put in diesem Fall auf liquide Basiswerte wie Index Futures abgeschlossen, um die Prämie zu reduzieren, ergibt sich hingegen eine zwangsläufige Ungenauigkeit in der Absicherung des Extremszenarios. Die Analyse verdeutlicht, dass neben der Ausgestaltung der Werttreiber der Wertsicherungsmechanismus einen maßgeblichen Einfluss auf die Performance und die Kosten von Garantiefonds hat. Galt CPPI vor 10 Jahren noch als Standard für Wertsicherungsfonds, ist diese Art der Absicherung aufgrund der weitreichenden Herausforderungen heutzutage als nicht mehr zeitgemäß anzusehen.

Ein moderner Garantiefonds sollte folglich mit folgenden Merkmalen ausgestattet sein:

  • Einsatz von diversifizierten Werttreibern, die nicht allein von Aktien-Haussen und steigenden Anleihekursen abhängig sind, sondern auch in Zeiten langfristig sinkender Aktienmärkte und steigender Zinsen Performance liefern können. Das Ziel ist, sowohl positive Performance in verschiedenen Marktsituationen zu generieren als auch basierend auf der „Stabilität“ des Werttreibers das Schichtungsrisiko zu reduzieren (wichtig ist, hierbei die unterschiedlichen Anforderungen von 80er und 90er Fonds zu beachten).
  • Wertsicherungsmechanismen ohne Pfadabhängigkeit, wobei die Partizipationsrate nur vom Kurs des Werttreibers abhängig ist und nicht von dessen vorherigem Kursverlauf
  • Kosteneffizienz auf allen Ebenen des Produktes, insbesondere: geringe Verwaltungs- und Transaktionskosten für den Werttreiber sowie Wertsicherungsmechanismen, dieharte Garantien erlauben, dabei jedoch ohne die zusätzliche Kostenkomponente der Gap Puts auskommen
  • Einbeziehen von nachhaltigen Komponenten, um der anstehenden Abfrage von Nachhaltigkeitspräferenzen und steigender Nachfrage Rechnung zu tragen

Derartige Umsetzungen sind dank erweiterter Handelskapazitäten von Absicherungspartnern und aktueller Entwicklungen im Bereich des Risikomanagements heutzutage möglich.

Eine der essentiellen Voraussetzungen für ein gut funktionierendes Hybridprodukt liegt darin, dass der Performancebaustein „Garantiefonds“ seinen Einsatzzweck erfüllt. Dies gilt sowohl für Altverträge die nicht mehr aktiv vermarktet werden, bei denen aber weiterhin „neues Geld zu alten Konditionen“ angespart wird, als auch für Neuverträge auf Basis des aktuellen Rechnungszinses. Dabei ist es für Versicherer nicht ungewöhnlich, „Anlagemotoren“ anzupassen oder Fonds auszutauschen. Durch eine geeignete Auswahl bzw. Anpassung des Garantiefonds kann somit eine Win-Win-Situation geschaffen werden. Aus Sicht des Versicherers wird die im Niedrigzinsumfeld kapitalintensive und mit Risiken behaftete Inanspruchnahme des klassischen Sicherungsvermögens verringert. Gleichzeitig kann aus Kundensicht die Chance auf eine attraktive Performance des Versicherungsproduktes erhöht werden.

Wie nachhaltig können Dynamische Hybride sein?

Um Nachhaltigkeit in Dynamischen Hybriden einzubeziehen, sind zwei Ebenen zu betrachten – die der Garantie und die des Werttreibers.

Zur Garantie

Da die Beitragsgarantien über das Sicherungsvermögen dargestellt werden, ist der Einsatz von ESG Kriterien in den verschiedenen Anlageklassen des Versicherers entscheidend für den „Grad der Nachhaltigkeit“ des Tarifs. Obwohl eine Vielzahl von Versicherern nachhaltige Kriterien bereits in ihren Kapitalanlagen einbezieht, können derzeit nicht alle Anlageklassen vollständig nachhaltig bzw. ESG-konform ausgestaltet sein.

Als Beispiele:

  • Ein Rentenportfolio besteht typischerweise aus Staatsanleihen, Unternehmensanleihen, Pfandbriefen und Namenspapieren. Die Staaatsanleihen einiger Länder wie den USA gelten als nicht nachhaltig – zu den Gründen zählen Fracking und die sehr hohen Ausgaben für Verteidigung. Einige Versicherer haben daher ihr Exposure zu US Staatsanleihen bereits reduziert, können allerdings aufgrund des Ertragspotentials und der hohen Liquidität nicht gänzlich darauf verzichten. Green Bonds spielen eine untergeordnete Rolle in der Asset Allokation, auch aufgrund der Tatsache, dass das Emissionsvolumen gegenüber „klassischen“ Anleihen noch sehr überschaubar ist.
  • Neubau-Immobilien sind teilweise höchst energieeffizient, allerdings ist der Grossteil der Immobilien oftmals in älteren Objekten mit hohen Mietrenditen aber geringer Energieeffizienz investiert. Ein Verkauf des Bestandes würde mit hohem Wiederanlagerisiko einhergehen.
  • Alternatives wie Infrastruktur und Private Equity werden verstärkt basierend auf nachhaltigen Ziel-Investments allokiert.
  • Die einfachste Umsetzbarkeit ergibt sich bei Aktien, da hierbei ESG Filter relativ problemlos einsetzbar sind und die Anlagen dennoch nahe an klassischen Benchmarks wie Euro Stoxx 50, S&P 500 oder MSCI World verwaltet werden können. 

Somit zeigt sich, dass es über die aktuelle Aufstellung der Sicherungsvermögen keine vollständig nachhaltigen Garantien gibt, da ein Grossteil der Kapitalanlagen (noch) nicht entsprechend allokiert ist bzw. allokiert sein kann.

Zum Werttreiber

Garantiefonds stellen die Ertragskomponente in Dynamischen Hybridprodukten dar. Je besser der Fonds performed, desto höher die möglichen Ablaufleistungen des Tarifs und desto mehr Kapital wird aus dem Sicherungsvermögen in den Fonds geschichtet, was wiederum bilanzentlastend wirkt. Bei Fonds mit 80% monatlichen Wertsicherungen steht ausreichend Risikokapital zur Verfügung, um in einem diversifizierten Werttreiber einen hohen Anteil an Aktien anzubinden.

Um das Aktienportfolio nachhaltig   zu gestalten, werden physisch replizierte Strategien mit ESG Filter eingesetzt. Als Beispiel: eine Aktienstrategie mit Fokus auf Klimawandel, basierend auf der Benchmark STOXX600. Hierbei werden in einem ersten Schritt Unternehmen mit hohen Umwelt-, Sozial- und Governance Standards basierend auf internationalen Vorgaben und Konventionen in den Vordergrund gestellt. Zusätzlich werden Unternehmen ausgeschlossen, welche bestimmte Kriterien nicht erfüllen, bspw. bezüglich Rüstung, Tabak und Glücksspiel. In einem zweiten Schritt erfolgt eine Auswahl und Gewichtung der Unternehmen auf Grundlage ihres CO2-Haushaltes und ihrer Strategie zur Energiewende. Ziel ist die Reduzierung des CO2 Ausstoßes um mindestens 50% gegenüber dem STOXX600. Abschliessend wird über ein Tracking Error Management sichergestellt, dass das konzentrierte ESG Aktienportfolio nur in geringem Ausmass von seiner Benchmark abweicht. Um die Diversifikation im Aktienportfolio zu erhöhen, könnten neben Europa zusätzlich weitere Regionen wie USA und Japan einbezogen werden.

Die Beimischung von Anleihen im Werttreiber kann neben einer Reduzierung der Volatilität zusätzliche Performance-Chancen generieren. Hierbei empfiehlt sich die Verwendung von Futures auf Staatsanleihen. Nachhaltige Anleihen eignen sich aufgrund oftmals geringer Liquidität und hoher Handelskosten weniger. Wichtig ist, die Abbildungsgebühren (Replication Costs) und Ausführungsgebühren (Execution Costs) für alle Bestandteile des Werttreibers möglichst gering zu halten.   

*Der Abschnitt basiert auf dem Fachartikel „Dynamische Hybridprodukte im Niedrigzinsumfeld – Herausforderungen und Lösungsansätze“, Dr. Holger Dietz, Christian Eck, Zeitschrift für das Versicherungswesen, 17 2019